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TOURISMUS: Geltower gegen Spaltung PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 15. Juli 2010 um 17:04 Uhr

aus MAZ vom 14.07.2010

Anwohner fordern Überprüfung der Landesentscheidung zum Erholungsort

GELTOW - Die Stimmung in Geltow ist angespannt. Das Land Brandenburg will den Ortsteil nicht als Erholungsort anerkennen, obwohl er wie die Ortsteile Ferch und Caputh zur Gemeinde Schwielowsee gehört. Die ringt seit vier Jahren um das Prädikat, doch nur Ferch und Caputh bekommen den Titel vom Wirtschaftsministerium zum Fährfest am 31. Juli verliehen. Gerade zu diesem Fest, das die Verbindung der Ortsteile symbolisiert, wird Geltow leer ausgehen, die Gemeinde wieder getrennt behandelt, weil nach Ansicht des Landes die B1 den Ort zu sehr belastet.

„Wir sind doch eine Gemeinde, weil das Land es bei der Gebietsreform so wollte. Nun will man uns wieder teilen. Ich finde das unmöglich“, sagt Anke Wehner, die seit Jahren an der B1 wohnt. „Die Bürgermeisterin sollte für uns alle kämpfen, statt den Alleingang hinzunehmen.“

Eberhard von Bothmer ist mit seiner Frau 1994 von Berlin-Wilmersdorf nach Geltow gezogen und hat diesen Schritt nicht bereut. „Ich finde es richtig, dass die B1 durch die grüne Welle und Tempo 30 in der Nacht erst beruhigt wird. Der Verkehr ist für einen Erholungsort zu laut.“

Beim Geltower Friseur haben die heimischen Kunden gestern eine ganz andere Meinung. „Im Ministerium soll man sich nicht so pingelig haben. Geltow ist doch viel mehr als die B1. In Alt-Geltow, Wildpark- West und am Petzinsee, wo wir wohnen, ist Erholung pur zu erleben“, sagt ein Geltower und lässt sich dabei den Kopf rasieren. Seine Frau stimmt ihm kopfnickend zu.

Auch Fleischermeister Horst Bothe, CDU-Gemeindevertreter in Schwielowsee, findet die Entscheidung des Fachbeirates für Kur- und Erholungsorte und des Wirtschaftsministeriums „unerhört“. Für ihn ist die Teilung der Gemeinde als Erholungsort unakzeptabel. „Die B1 in Geltow entspricht doch nur einem Prozent der Gemeinde – und deshalb soll Geltow den Titel nicht bekommen? Das ist mir unbegreiflich.“ 16 Orte im Land Brandenburg hätten den Titel bereits bekommen, keine einzige wurde dabei geteilt, so wie jetzt die Gemeinde Schwielowsee. Bothe fordert eine Überprüfung der Entscheidung des Ministeriums. Den Titel nicht anzunehmen, wäre unklug, weil dann das kostspielige Verfahren noch einmal zu durchlaufen wäre. „Aber nun erst die B1 beruhigen und 18 Monate auf den Titel warten – das ist doch ein Unding“, sagt Bothe „Das Land bewertet die B1 für den Titel völlig unangemessen hoch. Hinzu kommt, dass der Verkehr weiter auf der B1 nach Werder führt. Dort hat die Straße nicht gestört, als Werder Erholungsort wurde.“ Bothe begrüßt zwar die Grüne Welle, hält aber Tempo 30 in den Nachtstunden für nicht erforderlich. „Wichtig wäre für einen flüssigen Verkehr auf der B1 der grüne Pfeil an der Kreuzung Caputher Chaussee, der bisher abgelehnt wurde.“ (Von Regine Greiner)

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 19. Juli 2010 um 17:09 Uhr